Aus dem Verborgenen

Rüdiger Stefanek freut sich über die neueste Veränderung: Dank des Sanierungsvereins gibt es nach Jahrzehnten wieder eine Klappbrücke über den Graben. Offizielle Einweihung: am 9.9., beim Tag des offenen Denkmals.

Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn war für lange Zeit die Festungsanlage Ravelin 2 an der Maybachstraße. Um 1873 erbaut hatte die Anlage bis 1912 Festungsstatus. Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden hier Notwohnungen eingerichtet. Erst gaben die Festungsmauern Familien Raum, dann richteten sich Firmen ein, diverse Werkstätten, eine Kleiderkammer, Garagen entstanden. Bis in die 1960er Jahre wurde die Anlage so genutzt, die letzte Schlosserei zog 1982 aus. Dann war das Gelände nach und nach dem Verfall ausgesetzt. Zugeschüttet, von der Natur überwuchert, vieles unzugänglich. Ein bemitleidenswerter Zustand. Aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde die Anlage von der Fachgruppe Festungsanlagen im Heimatverein. Für die Wiederherstellung wurde im Juli 2014 ein separater Verein gegründet: der Sanierungsverein Ravelin 2. Im Februar 2015 erfolgte der Überlassungsvertrag mit der Stadt als Eigentümerin. Mittlerweile hat der Verein rund 60 Mitglieder – nicht nur Männer, auch Frauen, Familien zum Teil in drei Generationen. „Dadurch entsteht ein besonderes Bild“, freut sich Rüdiger Stefanek vom Sanierungsverein, „weg vom Militär, hin zu einer Zeitreise.“ Wobei die militärische Vergangenheit natürlich dazugehört. Schließlich handelt es sich um eine Festungsanlage, und Magdeburg war lange Zeit bedeutendste preußische Festungs- und Garnisonsstadt.

Wer heute von der Maybachstraße her die Anlage durchschreitet, betritt eine andere Welt. Zumindest, wenn hier Veranstaltungen stattfinden wie die Fes-tungstage, deren guter Ruf mittlerweile ein „buntes Volk“ aus ganz Deutschland anlockt und sogar aus dem Ausland, oder Theateraufführungen wie kürzlich „Der Hauptmann von Köpenick“. Am Tor werden die Besucher von Frauen und Männern im feinsten Zwirn empfangen. Sie tragen Kleidung, die nach historischen Vorlagen genäht wurde. „Wir wollen die Stadtgeschichte lebendig halten“, erklärt Rüdiger Stefanek.  

Kaum zu glauben, dass noch vor wenigen Jahren die Anlage weder zugänglich noch sehenswert war. Die Veränderungen zeigt eine Bildergalerie im Durchgang zum Hof. Mittlerweile sind viele Räume begehbar und gestaltet, zu sehen ist neben einer Ausstellung (geöffnet täglich ab 11 Uhr) u.a. eine eingerichtete „Notwohnung“. Die Mitglieder des Sanierungsvereins bringen in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit das Gelände in Schwung, haben es für Gäste erschlossen, den Hof gepflastert, richten die Räume her und und und. Neuheit: Dem Original nachgebaut wurde die Klappgbrücke und deren Pfeiler. Aus Sicherheitsgründen wurden zusätzlich Seitenteile angebracht, auf denen später die Namen der Sponsoren und der Hersteller verewigt werden sollen. Offizielle „Eröffnung“ ist am 9. September beim Tag des offenen Denkmals. Dann ist natürlich das ganze Gelände zu besichtigen.

Am 13. und 20. September wird im Ravelin 2 Juliane Huthmann vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie über archäologische Funde zu Festungsanlagen an der Großbaustelle um den Hauptbahnhof berichten (ab 19 Uhr, Einlass 18 Uhr, Tickets nur an der Abendkasse). Am 25. September gibt es eine Lesung von Alexander Suckel im Rahmen der Literaturwochen (19.30 Uhr, Karten im Literaturhaus). Außerdem finden regelmäßig Führungen durch die Festungsanlagen statt. Informationen auf den Internetseiten. Birgit Ahlert

Stadtgeschichte lebendig wird durch das Engagement des Vereins, zu dem zum Teil Familien in drei Generationen gehören.

• Die Fachgruppe Festungsanlagen im Kultur- und Heimatverein Magdeburg e. V. erforscht und dokumentiert die Geschichte der Festung Magdeburg, setzt sich für deren Erhalt, kulturelle Nutzung und touristische Entwicklung ein.

• Der Sanierungsverein Ravelin 2 wurde 2014 gegründet; hat ca 60 Mitglieder. Der Verein hat das Festungsgelände an der Maybachstraße beräumt, saniert und begehbar gemacht.

• Informationen, auch zu den Veranstaltungen, gibt es im Internet auf den Seiten: www.festung-in-magdeburg.de, www.ravelin2-magdeburg.de

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