Der Zweck der Parteien heiligt die Mittel der Satire

Kabarettprogramme sind oft von kurzer Halbwertzeit. Manchmal ist ein aufs Korn genommener Politiker nicht mehr im Amt oder die Welt hat sich einfach weitergedreht, so dass die Botschaften ausgedient haben. Magdeburgs Satire-Ikone Hans-Günther Pölitz bringt nun ein Programm mit dem Titel „Da ist was im Anzug“ auf die Bühne (Premiere am 9. März), dessen Existenz von vornherein begrenzt ist. Aufführungsende ohne Aussicht auf Verlängerung ist der 23. September. Einen Tag später wird nämlich ein neuer Bundestag gewählt und just damit hat sich das Wahlprogramm der drei Kabarettisten Marion Bach, Heike Ronniger und Hans-Günther Pölitz überlebt.
Neu am Stück ist die Mitwirkung eines altbekannten Protagonisten. Micheal Rümmler, der im Gründungsjahr der Zwickmühle, 1996, bereits zum elbestädtischen Ensemble zählte und erst 1999 zur Herkuleskeule nach Dresden wechselte, sprang diesmal in den Regieanzug und nimmt für eine wirkungsvolle Darbietung Maß.
Das Plakat (Grafik) sagt viel darüber, dass Autor Pölitz sicher die Frage stellt, ob nun SPD-Kandidat Martin Schulz die bessere Merkel ist oder das Original im maßgeschneiderten Sozi-Anzug eine gute Figur macht. Offensichtlich ändern Wahlen soviel, dass am Ende doch alles beim Alten bleibt. Drei Magdeburger Kabarettisten werden kaum die Wahl beeinflussen, aber mit Sicherheit die Stimmung im Publikum. Mit dem Kabarett ist es wie mit Wahlen: Wenn es etwas ändern würde, wäre es verboten.
Hans-Günther Pölitz versichert vor der Premiere, dass jede Partei ihr Fett wegbekäme oder halt Flecken auf den Anzug. Der Zweck der Parteien heiligt die Mittel der Satire. Man darf gespannt sein, aus welchen Perspektiven er seine wortgewandten Ironien einsetzt und welchen Schlagabtausch er sich mit den Damen des Ensembles liefern wird. Auch wenn Hans-Günther Pölitz’ Herz politisch auf der Seite schlägt, wo ohnehin dessen biologischer Sitz ist, kann er dialektische Einwürfe von jeder Position der Bühne aus in den Zuschauerraum katapultieren, sodass niemandem Hören und Sehen vergeht, sondern man vor Staunen und Lachen mehr Endorphine ausschüttet als vielleicht erwartet.
Politik ist nur unter Politikern trocken. In der Zwickmühle wird sie filetiert und als leichtverdauliche Häppchen angeboten und musikalisch garniert. Zehn Lieder sollen szenische Abschlüsse sein, Überleitung geben und doch selbst Akzente setzen. Das Ulklied von Diether Krebs „Ich bin der Martin, ne …“ ist für einen wie Pölitz natürlich ein Glücksfall, um daraus eine Schulz-Persiflage zu schneidern. Und die Welt ändert sich doch, auch wenn sich scheinbar durch Wahlen nichts ändert. Auf jeden Fall ändern sich Kabarettprogramme, obwohl sie stets humorvoll bleiben. Da ist also was im Anzug in der Zwickmühle. Was heranzieht, weiß man ab dem 9. März. Und hoffentlich zieht es viele Zuschauer an, damit man erleben kann, wie Politiker auf der Bühne ausgezogen werden und vielleicht der Bürger nackt dasteht oder in der Wahl-Zwickmühle steckt.
Infos und Tickets unter: www.zwickmuehle.de
Thomas Wischnewski

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